Der Grüne Gregor Gysi

Der Grüne Gregor Gysi

©stephan-roehl.de
Die Zukunft des beliebten Grünen Parteichefs Cem Özdemir ist unklar, die Partei unsicher. Dabei liegt die Lösung eigentlich nahe.

Es war der Oktober 2015 und eine Zäsur für die Linken. Der Reformer und Rockstar der Partei, Gregor Gysi, zieht sich in die hinteren Reihen zurück. Verärgerung und Verwunderung die Folge, einige linke Reformer enttäuscht. Wer hier ein Déjà-vu-Erlebnis hat, liegt nicht ganz falsch.

Auf den allerersten Blick verbindet den Linken Gregor Gysi und den Grünen Cem Özdemir nicht viel. Özdemir der Sohn türkischer Einwanderer und gelernter Erzieher, Gysi Anwalt und aufgewachsen in der DDR. Auf den zweiten Blick zeigen sich doch parallelen auf: Beide sind Reformer, gelten als äußerst charismatisch, sind brilliante Redner, über Parteigrenzen hinaus beliebt und richtungsweisend in ihrer Partei.

Und: Beide verlassen Spitzenpositionen ihrer Partei, wenn ihre Beliebtheit Spitzenwerte erreicht.

Doch heisst das für Gregor Gysi lange nicht, dass er sich seitdem aus der Politik, geschweige denn der Öffentlichkeit, heraushält. Mit „Missverstehen Sie mich richtig“ hat Gysi eine eigene Show, gibt regelmäßig Interviews und mischt sich in Parteiinterne Debatten ein. Kurzum: Er ist selbst ohne großen Posten unersetzlich. Seine Ideen, sein Charisma, seine Bekanntheit werden gebraucht. Ähnliches kann man sich bei Özdemir vorstellen.

Zugegeben: Özdemir ist noch deutlich jünger als Gysi und wird seine politische Karriere nicht mit seinen 52 Jahren beenden. Muss er aber auch gar nicht. Die Möglichkeiten bei den Grünen sind vielfältiger denn je. Ein Blick nach Özdemirs Heimat Baden-Württemberg reicht aus. Dort hat es die Partei geschafft, dem CDU-Stammland den Ministerpräsidenten abzujagen und erfolgreich und mit hohen Zufriedenheitswerten Politik für das Land zu machen. Und Ministerpräsident Winfried Kretschmann wird – so erfolgreich er aktuell ist – nicht auf Ewig Ministerpräsident bleiben.

Doch erklärte Özdemir, erstmal im Bund bleiben zu wollen. Als Hinterbänkler kann man sich Özdemir jedoch nur äußerst schwer im Bundestag vorstellen. Fraglich ist, ob das letzte Wort hier schon gesprochen ist.

Im Wahlkampf haben die Grünen und Cem Özdemir für das Programm „Zukunft wird aus Mut gemacht“ geworben. Es täte Ihnen gut, sich daran zu erinnern.

Moritz Wächter